In den Sommerferien fuhren wir nach Peru. Wir haben uns in Lima ein Auto gemietet und dann den Süden des Landes erkundet. Unsere erste Station war
Pisco
Die Stadt in Küstennähe ist von Wüste umgeben und wurde 2007 durch ein schweres Erdbeben zerstört. Man sieht die Spuren noch immer, z.B. am ehemaligen Rathaus oder auch an den immer noch oft behelfsmäßigen Unterkünften:
Eine Sache, die wir seit Pisco mit Peru verbinden werden, ist – neben dem Pisco Sour – das Mototaxi. Die sind in Ecuador nicht verbreitet, aber in einigen peruanischen Städten gibt es davon wahrscheinlich mehr als Autos.
Auch interessant: In Pisco gibt es noch Schreiber. Sie sitzen mit ihren Schreibmaschinen auf dem Hauptplatz und bieten an, Schriftstücke jeglicher Art zu verfassen, vor allem wohl Behördenbriefe:
Auf dem Weg nach Ayacucho muss man eine Passstraße auf mehr als 4700m Höhe überqueren. Das bedeutet atemberaubende Landschaften – und jede Menge Kurven:
… und manchmal muss man eben die Lamas vorlassen.
AYACUCHO
Ayacucho wird erst langsam vom Tourismus entdeckt. Die Stadt war bis vor wenigen Jahren eher berüchtigt als Ursprungsort der kommunistischen Guerrilla-/Terrororganisation „Leuchtender Pfad“, die in den 80er und 90er Jahren gegen die peruanische Regierung kämpfte. Sowohl der „Leuchtende Pfad“ als auch die zu seiner Bekämpfung geschickten Soldaten der peruanischen Armee verübten schreckliche Verbrechen an der Bevölkerung der Region um Ayacucho. In der Stadt unterhält eine Vereinigung der Mütter von Opfern ein kleines Museum:
Die peruanische Regierung hat bis heute wenig zur Aufklärung der Verbrechen beigetragen, auch nicht zum Tod von 8 Journalisten im Jahre 1983. Sie wohnten damals im gleichen Hotel wie wir jetzt:
Der frühere Papst Johannes Paul II. scheint in Ayacucho sehr beliebt zu sein. Jedenfalls gibt es eine Sparkasse und eine Kochschule, die nach ihm benannt sind:
Wo wir gerade bei interessante Namen waren …
Dieser Kindergarten/Grundschule heißt „Blechtrommel Günter Grass“.
Bei dieser Frau in der Fußgängerzone kann man sich für ein paar Céntimos wiegen:

Die Saftverkäuferinnen warten auf Kundschaft vor der Markthalle von Ayacucho.
Ein anderer Geschäftszweig ist das Runterladen von Musik direkt auf den USB-Stick oder aufs Handy. Zum Thema copyright hat man hier ein recht entspanntes Verhältnis.
OLLANTAYTAMBO
Auf der Fahrt …
… nach Ollantaytambo kann man jede Menge schneebedeckte Berge bewundern.
Hinter unserem Hotel in Ollantaytambo (Tierra Inka Sacred Valley – empfehlenswert) brannte der Berg – also das gleiche Trockenzeitproblem wie in Ecuador. Der Ort selbst ist recht klein und recht touristisch, aber trotzdem noch urig und nicht wirklich überlaufen. Vor allem kann man hier eine große Inkafestung besichtigen:
Diese Wand aus exakt behauenen Steinen war früher wohl mal vergoldet und reflektierte das Sonnenlicht für religiöse Zeremonien.
Hier renovieren Arbeiter ein Dach in der traditonellen Bauweise mit Stroh, Lehm und Steinen.
Auf dem Weg ….
… zu den Salzterrassen von Maras. Dort haben schon die Inkas Salz produziert:

Im Ort Maras waren wir auf der Suche nach einem Restaurant zum Mittagessen, als uns zwei Mädchen in Schuluniform ansprachen, ob wir gerne Forelle essen würden. Sie brachten uns dann zu ihrer Schule, wo an diesem Tag ein Schulfest stattfand. Es gab frittierte Forelle mit Kartoffeln auf dem Schulhof.
Zum Thema Essen…
… wer hilft bloß dem „angegriffenen Gemüse“?
MACHU PICCHU
Von Ollantaytambo aus nahmen wir den Zug nach Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu:
Der Zug ist total überteuert, die Unterkünfte und Restaurants in Aguas Calientes ebenso, aber das ist alles Nebensache, denn Machu Picchu ist grandios:









Im Hotel in Aguas Calientes (Tierra Viva – teuer, aber ganz gut) gab’s einen schön bemalten Fahrstuhl und Coca-Marmelade zum Frühstück:

CUSCO


Cusco war die Hauptstadt des Inkareiches – passend dazu die vergoldete Statue des Inka Pachacutec (1438 bis 1471) auf der Plaza de Armas.
Auf den Grundmauern des wichtigsten Tempels der Inka (Qorikancha) haben die Spanier eine Kirche gebaut.

An den erhaltenen Mauern und im dazugehörigen Museum kann man die Steinmetzkunst der Inka bewundern. Auch die Inkafestung Sacayhuaman oberhalb von Cusco ist unter anderem so faszinierend, weil man sich kaum vorstellen kann, wie diese riesigen Steinblöcke so exakt und passgenau zusammengesetzt werden konnten.
Cusco liegt auf ca. 3500m. Da kann es schon mal vorkommen, dass man Lust auf eine Extraportion Sauerstoff bekommt:
Eine halbe Stunde nördlich von Cusco liegt der Ort Pisac, wo man jedes Jahr im Juli ein Fest zu Ehren der „Virgen del Carmen“, also der Jungfrau Maria, feiert. Dazu treten traditionelle Tanzgruppen auf und es gibt Prozessionen. Die Tänze beginnen mittags und dauern bis in die Nacht:


TITICACA-SEE
Auf dem Weg von Cusco nach Puno am Titicaca-See wurde einmal die Straße ziemlich eng, weil in einem Dorf die Möbel- und Matratzenhändler die wichtigste Verkehrsader der Reagion als Ausstellungsfläche für ihre Waren nutzten:
Wären wir mit dem Zug gefahren, hätten wir diese Attraktion verpasst.
Die Stadt Puno selbst ist eher unansehnlich und hat außer Staub und chaotischen Märkten wenig zu bieten (aber immer noch schöner als das benachbarte Juliaca). Aber sie ist wichtigster Ausgangspunkt für die Ausflüge auf den Titicaca-See. Wir haben die schwimmenden Inseln der Uros besucht. Dieses Volk lebt(e) schon zur Inkazeit auf selbstgebauten Inseln aus Schilf. Heute wohnen zwar immer noch viele Menschen dort, aber die meisten Inseln sind für Touristen hergerichtet. Die Bewohner erklären den Besuchern, wie die Inseln gemacht werden, lassen sie traditonelle Kleider anprobieren und bieten ihr Kunsthandwerk an: 


Das Schilf kann im frischen Zustand übrigens auch essen. Man nennt es die „Banane der Uros.“


In Sillustani nahe Puno kann man die Grabtürme einer präinkaischen Kultur besichtigen …
… oder den Blick auf den Bergsee genießen:
Auch der Pfarrer von Sillustani muss mal seine Wäsche trocknen:
AREQUIPA
Wenn man vom Titicaca-See wieder in Richtung Küste fährt, kommt man nach Arequipa, die wichtigste Stadt im südlichen Peru. Sie wurde schon viele Male von schweren Erdebeben zerstört und hat auch einige aktive Vulkane in der Nachbarschaft, wie z.B. den Misti und den Chachani:

Arequipa hat fast 300 Sonnentage pro Jahr und von April bis Dezember regnet es fast gar nicht. Die Umgebung ist entsprechend wüstenhaft, aber die koloniale Altstadt mit ihren aus weißem Sillar-Gestein gebauten Häusern ist wirklich sehenswert:

Unser Hotel „La Hosteria“:
Eine lokale Spezialität ist die „Kola Escosesa“, also „schottische Cola“, eine zuckrige Fruchtlimonade:
Wichtigste Sehenswürdigkeit in Arequipa ist das Kloster Santa Catalina, das mit 20.000qm Fläche eher einer eigenen Stadt gleicht. Es wurde 1579 errichtet und ist erst seit 1970 für die Öffentlichkeit zugänglich:

Hier gibt es außer romantischen Sträßchen und klösterlicher Beschaulichkeit jede Menge interessanter Dinge zu sehen…
… einen historischen Luftbefeuchter …
… einen Wasserfilter aus Vulkangestein …
… Hostien-Waffeleisen…
… ein Nagelgewand zur praktischen Selbstkasteiung …
… und ein Jesuskind mit Bart!
Im Museum/Modegeschäft „Mundo de Alpaca“ kann man die Verarbeitung der Alpaca-Wolle und traditionelle Webtechniken sehen und natürlich auch die teuren Alpaca-Textilien erwerben:


KÜSTE/WÜSTE
An der Küste entlang fährt man hunderte Kilometer nur durch Wüste:
Oft hängt der dichte Küstenhochnebel über dem Land und erzeugt eine fast gespenstische Atmosphäre:


NAZCA
Die Wüstenödnis wird nur gelegentlich von fruchtbaren Flusstälern unterbrochen. In einem solchen Tal liegt die Stadt Nazca, die berühmt ist für die Scharrbilder der Nazca-Kultur, die sog. Nazca-Linien:
Diese gigantischen Figuren und Liniensysteme kann man nur aus der Luft richtig erfassen…
… aber … Empfehlung aus eigener leidvoller Erfahrung: Wer leicht seekrank wird, sollte es sich zweimal überlegen, ob er in eines dieser Flugzeuge steigt…
Wer den Flug nicht riskieren will, kann zumindest zwei Figuren auch von einem Aussichtsturm direkt an der Panamericana erkennen:


Interessantes gibt es aber auch am Boden zu sehen, etwa die gut erhaltenen Mumien. Die Nazca-Kultur hat ihre Toten mit Grabbeigaben und prächtiger Bekleidung im Wüstenboden bestattet. Durch das extrem trockene Klima sind die Toten so bis heute gut erhalten geblieben:
Die Köpfe ihrer Feinde haben sie als Trophäen aufgehängt:
Auch die Keramiken der Nazca-Kultur sind beachtlich:

Um an das kostbare Wasser zu gelangen und es auf ihre Felder zu verteilen, haben die Nazca komplexe Brunnen- und Kanalsysteme gebaut:

ICA
Nördlich von Nazca liegt die Stadt Ica, die vor allem für den Weinbau bekannt ist. Das Weingut „Tacama“ ist das größte Perus:

Der Wein ist allerdings eher bescheiden. Deshalb haben wir nach der Verkostung lieber eine Flasche Pisco mitgenommen, der hier auch hergestellt wird:
Rund um Ica gibt es auch jede Menge Wüste, aber sei es noch so trocken und staubig, selbst hier leben Menschen:



Die Wüste hat aber auch ihre schönen Seiten. Rund um Ica gibt es Dünenlandschaften wie in der Sahara und eine wunderschöne kleine Oase (Huacachina). Dort kann man baden – muss man aber nicht, wenn man nicht auf trübe Brühen steht – oder mit einem Sandbuggy durch die Dünen brausen:

Beliebtestes Freizeitvergnügen ist hier das Sandboarding:
LIMA
Über die Hauptstadt Perus hatten wir im Vorfeld viel Negatives gehört und sie ist auch tatsächlich in weiten Teilen ein staubiger vermüllter Moloch mit fürchterlich chaotischem Verkehr. Aber es gibt auch schöne Ecken, wie beispielsweise das Stadtviertel Miraflores, das direkt auf den Klippen am Pazifik liegt. Vor allem wenn die Sonne mal rauskommt, ist es dort wirklich nett:

Als wir in Lima waren feierten die Peruaner gerade ihre „Fiestas Patrias“, also den Nationalfeiertag. Zu diesem Anlass gab es Live-Sendungen von der Plaza Mayor …
… und eine riesige Parade mit Militär, Polizei, Feuerwehr etc. Auch Kampfflugzeuge und Panzer waren mit am Start. Mit all den verschiedenen Uniformen der peruanischen Streitkräfte könnte man wahrscheinlich einen dicken Bildband füllen:

Zwecks vereinfachter Selbstablichtung im Kampfeinsatz werden wohl zukünftig auf Militärfahrzeugen auch Selfie-Stangen installiert.
Kinder und Militär – da gibt es in Peru offensichtlich keine Berührungsängste.

Ob dem Hund die Parade gefallen hat, wissen wir nicht.
Wem dieses Haus mit Auto gefällt, es ist noch zu haben:
Einen schönen Abschluss für unsere Reise bildete ein Abend im „Parque de la Reserva“ mit seinem „Circuito Mágico del Agua“. Die Springbrunnen und Wasserspiele sind wirklich der Knaller:





