Nachdem wir die letzten beiden Jahreswechsel in Kuba verbracht hatten, war in diesen Weihnachtsferien Mexiko unser Ziel. Zuerst blieben wir einige Tage in Mexiko-Stadt, bevor wir nach Yucatán weiterreisten.
In Mexiko-Stadt ist am ersten Weihnachtstag viel los:
Die Gebäude rund um den Zócalo, den Hauptplatz, sind festlich geschmückt.
Und alle Leute haben stift- oder kerzenförmige Luftballons und werfen sie in die Luft:
In Mexiko-Stadt weiß man gar nicht, wo man mit der Besichtigungstour anfangen soll, denn es gibt unzählige Museen, Bauwerke, Plätze und Stadtviertel, dass man hier eigentlich auch problemlos zwei Wochen verbringen könnte.
Unser erstes Ziel war der Palacio de Bellas Artes, ein prachtvolles Art Déco-Gebäude, das als Ausstellungsraum und Theater dient:
Im Palacio de Bellas Artes gibt es auch ein Werk eines der berühmtesten Künstler Mexikos, Diego Rivera, zu sehen. Das Wandgemälde heißt „Der Mensch am Scheideweg/Der Mensch kontrolliert das Universum“:
Diego Rivera hat aber auf der anderen Seites des Parks Alameda, an dem auch der Palast der Schönen Künste steht, sein eigenes Museum. Dies beherbegt vor allem sein Panorama der mexikanischen Geschichte und Gesellschaft („Sueño de una Tarde Dominical en la Alameda Central“):
Heutzutage ist allerdings Diego Riveras dritte und vierte(!) Frau, Frida Kahlo, wesentlich berühmter als er.
Frida Kahlo lebte im Stadtteil Coyoacán. Man kann das Haus besichtigen, in dem sie aufgewachsen ist und in dem sie lange Zeit gelebt hat. Ihr Atelier, ihre Möbel und viele persönliche Dinge sind noch vorhanden:

In der Hochsaison sollte man allerdings die Eintrittskarten im Internet bestellen, sonst steht man zwei Stunden in der Schlange:
Von 1937 bis 1939 beherbergten Frida Kahlo und Diego Rivera Leo Trotzki in ihrem blauen Haus, der 1929 die Sowjetunion hatte verlassen müssen. Wegen einer Affäre mit Frida Kahlo soll es zum Zerwürfnis zwischen Trotzki und Rivera gekommen sein, so dass Trotzki ein paar Straßen weiter ein eigenes Haus bezog. Dort wurde er im August 1940 von einem Agenten Stalins erschlagen. Die Einrichtung des Hauses ist fast vollkommen erhalten:

Die Stadt Mexiko wurde auf der alten Hauptstadt der Azteken, Tenochtitlan, errichtet. Die Spanier haben zwar von den Gebäuden Tenochtitlans nichts übrig gelassen, doch Archäologen haben direkt neben dem Hauptplatz die Grundmauern des Templo Mayor, also des Großen Tempels, ausgegraben:
Im dazugehörigen Museum kann man die Darstellung eines Tzompantli sehen. Das war eine Art Regal, auf dem Schädel der getöteten Feinde oder geopferter Personen präsentiert wurden:
Die Aztekenhauptstadt Tenochtitlan lag auf einer Insel in einem Kratersee. Die Spanier füllten den See auf und bauten darauf ihre Stadt. Diese ist mittlerweile zu einer der größten Städte der Welt angewachsen, doch der Untergrund ist für dichte Besiedlung und schwere Bebauung eigentlich nicht geeignet. Deshalb sieht man überall schiefe Gebäude:



Sehr spannend ist auch die mexikanische Volkskunst, wie sie beispielsweise im Museo de Arte Popular gezeigt wird:

Außerdem gab es …
… aztekische Reinigungsrituale …
… ein Tequila-Museum …
… Druckerwerkstätten unter freiem Himmel …
… und den Popocatepetl (glauben wir jedenfalls) in der Ferne.
Etwa 50 km von Mexiko-Stadt entfernt liegt Teotihuacán, eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Mexikos. Die Blütezeit der Stadt lag zwischen 100 und 650 n. Chr. Über die Bewohner weiß man sehr wenig, da bereits die Azteken die Anlage leer vorgefunden haben und es keine schriftlichen Überlieferungen gibt. Man schätzt, dass in Teotihuacán bis zu 200.000 Menschen gelebt haben.
Die Sonnenpyramide …
… ist mit einer Seitenlänge von 225 m und einer Höhe von 65 m die drittgrößte Pyramide der Welt und man kann sie sogar besteigen.
Der Blick von der Sonnenpyramide:
Aber auch die kleinere Mondpyramide ist eindrucksvoll: 
Am 29. Dezember flogen wir von Mexiko-Stadt nach Cancún, um von dort aus die Halbinsel Yucatán zu erkunden. Die Region ist vor allem interessant wegen der vielen Maya-Stätten. Die Kultur der Maya erstreckte sich über den Südosten Mexikos, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Die Stätten in Yucatán stammen vor allem aus der Zeit zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert n. Chr.
Die bekannteste Maya-Anlage überhaupt ist wohl Chichén Itzá:

Neben der weltberühmten Kukulcán-Pyramide zeiht vor allem das riesige Ballspielfeld das Interesse der Touristenströme auf sich:
Der 3-4 kg schwere Ball durfte nur mit Schultern, Brust und Hüfte (nach anderen Quellen auch noch mit dem Knie) gespielt und sollte durch den hoch oben an der Mauer angebrachten steinernen Ring geschossen werden. Man kann sich kaum vorstellen, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten „torreiche“ Partien gab. Auf Reliefs findet man Darstellungen von Hinrichtungen im Zusammenhang mit den Ballspielen. Es ist jedoch nicht sicher belegt, ob es die Gewinner oder die Verlierer traf.

Wer sich für alte Kulturen nicht so interessiert, kann in Chichén Itzá aber auch den Verrenkungen der Zeitgenossen zuschauen, die für ihr Facebook-Selbstbildnis mit Weltkulturerbe-Hintergrund die richtige Position suchen:

Wem auch das irgendwann zu blöd wird, der kann an den gefühlten 5000 Souvenirständen auf der Anlage seine Pesos unters Volk bringen und stolzer Besitzer von Sombreros oder Kühlschrankmagneten werden:

Nicht so bekannt und vielleicht noch eindrucksvoller ist die Maya-Stätte Uxmal südlich von Mérida. Dort dürfen Souvenirverkäufer nicht auf das Gelände, so dass hier eine ganz andere Atmosphäre entsteht. Außerdem kommen viel weniger Touristen nach Uxmal, weil es nicht mehr im Einzugsgebiet der Tagestouren von Cancún liegt.






In der Nähe von Mérida kann man auch interessante Haciendas besichtigen. Das Gebiet war einmal bekannt für den Anbau von Henequén – bei uns bekannt unter dem Namen des damaligen Hauptausfuhrhafens: Sisal. Aus dieser Agavensorte stellte man Fasern her, die wiederum vor allem zu Seilen verarbeitet wurden. Von Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts profitierten die Großgrundbesitzer der Region vom Sisal-Boom, der allerdings in den 1960er Jahren durch die Verbreitung der Kunstfaser abrupt beendet wurde. Auf der Hacienda Sotuta de Péon …
… kann man heute noch mit der Pferdebahn durch die Plantagen fahren …
… und den Produktionsprozess live miterleben:



Außerdem befindet sich auf dem Gelände der Hacienda ein Cenote. Cenotes sind meist wassergefüllte Kalksteinlöcher bzw. -höhlen, dies es in Yucatán zu hunderten gibt. In einigen kann man auch schwimmen:


Yucatán hat natürlich auch schöne Kolonialstädte zu bieten, wie etwa Izamal, dessen Innenstadt komplett in gelb gehalten und von einer weitläufigen Klosteranlage geprägt ist:



Highlight für Touristen ist die Kutschfahrt mit behütetem Gaul:
Auch interessant in Izamal waren …
… die bunten Fliesenböden …
… und das Leuchtschild im Wartezimmer …
… und der Umzugswagen.
Der Restaurant-Tipp für Izamal lautet „Kinich“:
Dort gibt es hervorragende Maya-Küche zu kleinen Preisen in tollem Ambiente. Oben sieht man die traditionelle Herstellungsweise der Tortilla, darunter einen sog. café de olla, ein mit Zimt und anderen Gewürzen versetzter Kaffee, der in der Region getrunken wird.
Originelle Sakralarchitektur gibt es im Dörfchen Uayma bei Valladolid zu bewundern. Der Saarländer sagt: „Et es emo ebbes anneres [mit positiver Betonung!]“:
Auch nett – die Häuser am Kirchplatz:
Ein Highlight auf der „Maya-Route“ ist sicherlich Tulum. Die Ruinenstadt ist zwar von den Bauwerken her lange nicht so spektakulär wie viele andere, aber ihre Lage am türkisfarbenen karibischen Meer deutlich spektakulärer. Trotz Touristenströmen noch ein beeindruckender Anblick:




Zum Abschluss unserer Rundfahrt waren wir noch kurz am Strand in Akumal …
… und in Cancún:
